Choraufstellungen – Ein Überblick

Hybride Chorformationen

Hybride Chorformationen versuchen die Vorteile von Stimmgruppen-Formationen und gemischten Formationen zu vereinen während die Nachteile minimiert werden sollen. Abbildung 6 zeigt eine hybride Formation, die eine vertikale gemischte Formation mit einer horizontalen Stimmgruppen-Formation kombiniert. Vertreter dieser Formation erwarten, dass die Intonation erleichtert wird, da alle Sänger die Bassstimme aus der letzten Reihe hören können.

"Abb.

Eine andere Variante zeigt Abbildung 7. Eine horizontale Quartett-Formation soll Blending fördern während eine Orientierung an der eigenen Stimmgruppe durch die horizontale Anordnung weiterhin möglich sein soll.

Abb. 7: Hybride Formation B
Abb. 7: Hybride Formation B
(Gordon, 1989, S.114)

2. Mikro-Arrangements

Es gibt viele verschiedene Kriterien nach denen Chorsänger zueinander positioniert werden können. Die Methoden der akustischen Chorsänger-Platzierung sind dabei sehr zahlreich und versprechen große Effekte:

Noble spaculates that through this system of auditioning and placement, probably 75% of potential problems can be solved before the first note is sung.

(Tocheff, 1990, S. 40)

Akustische Chorsänger-Platzierung

Die Stimmen verschiedener Chorsänger unterscheiden sich naturgemäß hinsichtlich physikalischer Merkmale. Das Ziel der akustischen Chorsänger-Platzierung ist es die Sänger so zu positionieren, dass die Stimmen bezüglich Blending, Balance, Chorischer Intonation und freier Tonproduktion optimal zusammenwirken können. Vor allem amerikanische Chorleiter haben eine ganze Reihe von verschiedenen Methoden entwickelt, um dies zu erreichen (Noble; Williams; Eichenberger in Tocheff, 1990). Unter diesen Methoden gibt es wiederum solche, die sich auf gemischte Formationen beziehen und andere die Sänger nur innerhalb der Stimmgruppe neu positionieren. Voraussetzung all dieser Platzierungs-Techniken ist die Evaluation der Singstimmen aller Chormitglieder. Gängige Positionierungskriterien sind Stimmfarbe, Größe der Stimme und Vibrato.

Bei John Williams Vorgehensweise (in Tocheff, 1990, S. 43 ff.) werden alle Chorsänger in den Kategorien Stimmgröße und Vibrato-Intensität beurteilt. Zunächst werden die Tenorsänger so angeordnet, dass in der vordersten Reihe die Sänger mit den leichtesten Stimmen und dem kleinsten Vibrato stehen. In der mittleren Reihe werden Sänger mit mittellauten Stimmen und einem normalen Vibrato platziert, während in der hintersten Reihe die Sänger mit den lautesten Stimmen und dem größten Vibrato ihren Platz finden. Die Tenöre stehen nicht direkt hintereinander sondern auf Lücke. Nach und nach werden die Sänger der weiteren Stimmgruppen im gleichen Verfahren dazu positioniert. Eine Quartettaufstellung entsteht, bei der Stimmen mit den gleichen Eigenschaften (Stimmgröße und Vibrato-Intensität) nebeneinander stehen. Balance und Blending des Chors sollen profitieren, da die hinteren, lauteren Stimmen sich durch die räumliche Position automatisch besser mit den leiseren vorderen vermischen, ohne dass ein Sänger genötigt wäre, sich an einen ganz anderen Stimmtyp anzupassen. Das hilft der freien Tonproduktion als auch der chorischen Intonation. Die Verwendung von Chorpodesten ist dabei Voraussetzung für das Gelingen.

6 Gedanken zu „Choraufstellungen – Ein Überblick

  1. Ist es sinnvoll, wenn große Sänger in einem Männerchor ständig in der ersten Reihe stehen. Ich glaube kaum, da sie damit den Sichtkontakt der dahinten stehenden Sänger hindern. Außerdem verpufft dahinter die Stimmqualität der der hinter ihnen stehenden Sänger.

    1. Wenn die hintere Reihe von der Vorderreihe verdeckt wird, ist das weder optisch noch akustisch optimal. Nach Möglichkeit sollte man so versetzt stehen, dass jeder Sichtkontakt zum Dirigierenden aufnehmen kann. Bei gleichzeitiger Erhöhung der hinteren Reihe trägt es nachweislich zu einem besseren Chorklang bei.
      Sollte die Erhöhung aber durch die örtlichen Begebenheiten — z. B. keine Chorpodeste — nicht möglich sein, könnte man in der Tat erwägen, die Chorsänger nach Körpergröße zu platzieren, sofern die Stimmgruppen beibehalten werden können.
      Der ein oder andere wird allerdings Zeit brauchen um sich an seine neue Position zu gewöhnen. Das darf man nicht unterschätzen.
      Sprechen Sie Ihre Bedenken doch einfach bei Ihrer/m Chorleiter/in an. Entweder verweist sie/er auf triftige Gründe für diese Art der Choraufstellung oder nimmt ihren Impuls dankbar an.

  2. Ich habe kürzlich einen neuen Chor übernommen und die haben eine sehr seltsame Aufstellung, die ich vorher noch nicht kannte:
    Hinten: Männer (der Chor ist derzeit nur dreistimmig)
    Vorne: Alt Sopran

    Alt und Sopran sind also vertauscht. Ist das sinnvoll? Oder wäre die klassische Choraufstellung besser? Herzlichen Dank für die Antwort, Elisabeth Pütz

    1. Entschuldigen Sie bitte meine späte Reaktion. Ich denke, dass es bei Ihrem dreistimmigen Chor keinen Unterschied macht. Vierstimmige Chöre werden gerne so platziert, dass Außenstimmen – im gemischten Chor Sopran und Bass – voreinander stehen. Man erhofft sich davon, dass sich dadurch die Intonation stabilisiert, da der Sopran den Bass besser hören und zu ihm intonieren kann. Wenn die Männer aber ohnehin einstimmig singen, steht der Sopran sowieso immer vor der tiefsten Stimme. Insofern ist es nicht relevant, ob sie als Sopran/Alt oder Alt/Sopran vor dem Bass platziert sind. Es ist bzw. war lediglich für Sie eine Umstellung. Und das scheint mir einfacher realisiebar zu sein, als wenn sich zwei Stimmgruppen an eine neue Aufstellung gewöhnen müssen.
      Manchmal möchte man aber gerade dadurch „neuen Schwung“ reinbringen. Daher würde ich Sie dazu ermutigen wollen, durchaus mit neuen Aufstellungen zu experimentieren. Im obigen Artikel finden Sie vielleicht einige Anregungen für jene Aspekte, an denen Sie gerade mit Ihrem Chor arbeiten; sei es Intonation, Chorklang oder eine erleichterte Stimmproduktion.

  3. Vielen Dank für diese ausführliche Liste über Choraufstellungen und Ihren Blog. Ich hoffe Sie haben nichts dagegen, wenn ich meine Schüler auf Ihre Seite verweise. Manchmal ist es nämlich gut wenn man sich einen größeren Überblick über ein Thema verschafft, um die Unterkategorien besser einordnen zu können. Hier ist Ihnen das sehr gelungen!

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